Ratgeber · Prüfung
Praktische Prüfung in Kiel – Ablauf, Dauer und die häufigsten Fehler
Die praktische Prüfung in Kiel dauert 55 Minuten und wird vom TÜV Nord abgenommen. Du zeigst, dass du in jeder Verkehrslage sicher fährst, und machst dabei drei Grundfahraufgaben.
Hier erfährst du, wie die Prüfung Schritt für Schritt abläuft, was du mitbringen musst und was sie kostet. Vor allem zeigen wir dir die Fehler, an denen wir in Kieler Prüfungen am häufigsten Fahrschüler scheitern sehen, jeweils mit einer echten Stelle aus Kiel. Den ganzen Weg von der Anmeldung bis zur Karte findest du unter Führerschein in Kiel – der ganze Ablauf.
Wann darfst du zur praktischen Prüfung?
Du darfst erst zur Praxis, wenn du die Theorie bestanden hast. Frühestens geht es einen Monat vor deinem Mindestalter (§ 17 Abs. 1 FeV). Zwischen Theorie und Praxis dürfen höchstens 12 Monate liegen, sonst verfällt die Theorie (§ 18 Abs. 2 FeV).
Außerdem muss deine Ausbildung abgeschlossen sein, inklusive der Pflicht- und Sonderfahrten. Das bestätigt dein Fahrlehrer. Den Prüfungstermin bestellt dann die Fahrschule beim TÜV Nord. Bestätigte Termine siehst du in der Fahrschüler-App des TÜV Nord oder du bekommst sie von uns (TÜV Nord FAQ).
So läuft die praktische Prüfung in Kiel ab
Seit 2021 gilt die sogenannte optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung. Der Prüfer bewertet dabei fünf Fahrkompetenzbereiche, zum Beispiel Verkehrsbeobachtung, Geschwindigkeit und Kommunikation. Er notiert alles in einem elektronischen Prüfprotokoll auf dem Tablet. Die Entscheidung trifft aber weiterhin er selbst.
Treffpunkt und Ausweiskontrolle
Der Prüfer kontrolliert deinen Personalausweis oder Reisepass (§ 17 Abs. 5 FeV). Ist das Dokument abgelaufen, kann er dich laut TÜV Nord von der Prüfung ausschließen. Ohne Zahlungsnachweis findet die Prüfung ebenfalls nicht statt.
Vorbereitung im Auto
Du stellst Sitz, Lenkrad, Kopfstütze und Spiegel ein und schnallst dich an. Der TÜV Nord fragt dabei auch Stichproben zur Technik ab, etwa zu Licht, Reifen oder Bremsen (TÜV Nord). Dein Fahrlehrer sitzt neben dir, der Prüfer fährt mit im Auto.
Prüfungsfahrt: innerorts, außerorts, Autobahn
Der Prüfer bestimmt Strecke, Startpunkt und Zeit (§ 17 Abs. 5 FeV). Etwa die Hälfte der Fahrzeit liegt außerorts, möglichst mit Autobahn oder Kraftfahrstraße (FeV Anlage 7, Nr. 2.4). Typische Aufgaben sind Fahrstreifenwechsel, Kreisverkehr und Fußgängerüberweg.
Wichtig: Der Prüfer sagt nur „links“ oder „rechts“ an. Verbote musst du selbst erkennen. Warum genau das in Kiel so oft schiefgeht, liest du weiter unten.
Drei Grundfahraufgaben
Laut FeV Anlage 7, Nr. 2.1.4.2 fährst du eine Aufgabe aus dieser Gruppe: rückwärts nach rechts in eine Einmündung oder rückwärts längs einparken. Dazu kommen zwei Aufgaben aus: Umkehren, quer oder schräg einparken und Gefahrbremsung. Viele Manöver darfst du laut TÜV Nord mindestens einmal wiederholen. Also ruhig bleiben, wenn der erste Versuch schief steht.
Ende der Prüfung und Rückmeldung
Direkt nach der Fahrt sagt dir der Prüfer das Ergebnis und nennt die wesentlichen Fehler (ADAC). Hast du bestanden und das Mindestalter erreicht, bekommst du den Führerschein laut TÜV Nord direkt nach der Prüfung. Bei BF17 gibt es zunächst eine Prüfungsbescheinigung.
Wie lange dauert die praktische Prüfung?
Für Klasse B dauert die Prüfung 55 Minuten, davon sind 30 Minuten reine Fahrzeit (FeV Anlage 7, Nr. 2.3). Die Grundfahraufgaben, die Vorbereitung im Auto und das Gespräch am Ende zählen nicht zur Fahrzeit.
Mit Automatik oder B197 ist die Prüfung genauso lang. Nur eine Prüfung, die allein die Automatik-Beschränkung aufhebt, ist 10 Minuten kürzer.
Wie viele Fehler darf man machen?
Es gibt keine Fehlerpunkte wie in der Theorie. Der Prüfer bewertet deine Fahrt als Ganzes. Durchgefallen bist du in zwei Fällen (FeV Anlage 7, Nr. 2.5.2):
- Du machst einen Fehler, bei dem die Prüfung sofort beendet wird.
- Leichte oder schwere Fehler wiederholen oder häufen sich. Ein einzelner Fehler reicht dafür in der Regel nicht.
Sobald klar ist, dass du die Anforderungen nicht erfüllst, wird die Fahrt beendet. Das kann zum Beispiel nach einer Vorfahrtverletzung oder einem Rotlichtverstoß passieren. Auch wenn dein Fahrlehrer eingreifen muss, führt das in der Regel zum Abbruch. Umgekehrt gilt laut TÜV Nord: Wer sonst gut fährt, kann kleine Unsicherheiten ausgleichen.
Wo fallen die meisten Fahrschüler durch? Die häufigsten Fehler in Kiel
Bundesweit passieren die meisten Fehler bei der Verkehrsbeobachtung, besonders an Kreuzungen und Einmündungen. Das sagt der TÜV-Verband (ADAC-Interview, 11.03.2022). 2025 fielen bundesweit 41,4 % der praktischen Prüfungen Klasse B durch, in Schleswig-Holstein 35,7 % (KBA, Statistik FE 7, 2025, Wert für Schleswig-Holstein eigene Berechnung aus Tab. FE 7.5).
Diese Quoten zählen Prüfungen, nicht Personen. Wiederholungsprüfungen sind also mit drin.
„In unseren Kieler Prüfungen sehe ich zwei Fehler am häufigsten: paralleles Abbiegen und übersehene Einfahrtsverbote, auch an Stellen, an denen Geradeausfahren verboten ist.“
Fehler 1: Paralleles Abbiegen
Paralleles Abbiegen heißt: Du biegst ab, während ein anderes Auto zur gleichen Zeit abbiegt. Das passiert in Kiel in zwei Varianten, und beide sehen wir in Prüfungen ständig.
Linksabbiegen mit Gegenverkehr. Kommt dir ein Auto entgegen, das auch links abbiegen will, biegt ihr normalerweise voreinander ab. Ihr fahrt also vor dem anderen vorbei, ohne euch zu umkreisen. Erfordern Markierung oder Kreuzung etwas anderes, biegt ihr umeinander ab, also erst aneinander vorbei und dann hintereinander (§ 9 Abs. 4 StVO).
Genau hier scheitern viele: Sie entscheiden aus Gewohnheit statt nach Markierung. Oder sie schauen nur auf die eigene Spur und vergessen das entgegenkommende Fahrzeug. Ein Kieler Beispiel ist die Kreuzung am Städtisches Krankenhaus. Dort gibt die Markierung vor, wie abgebogen wird.
Mehrere Fahrstreifen biegen gleichzeitig ab. Wenn zwei Spuren nebeneinander abbiegen, fährt direkt neben dir ein anderes Auto durch die Kurve. Wer dabei die Spur verlässt oder zu weit ausholt, schneidet den Nachbarn. Typisch in Kiel ist Wittland, wo aus zwei Fahrstreifen in drei abgebogen wird. Eine zweite, engere Stelle findest du unter Paralleles Abbiegen.
Worauf der Prüfer achtet:
- Ordnest du dich früh und richtig ein, mit Blinker und Blick in den Spiegel?
- Liest du die Markierung auf der Kreuzung, bevor du losfährst?
- Bleibst du in der Kurve sauber in deiner Spur, bis du ganz abgebogen bist?
- Behältst du Gegenverkehr und Nachbarspur gleichzeitig im Blick?
Unser Rat aus den Fahrstunden: Wähle in der Kurve einen festen Bezugspunkt, zum Beispiel den Bordstein oder die Linie neben dir. Und schau rechtzeitig dorthin, wo du hinwillst, nicht auf das Auto neben dir.
Fehler 2: Einfahrtsverbote und „Geradeaus verboten“ übersehen
Die Regel in der Prüfung ist einfach. Sagt der Prüfer nichts, fährst du geradeaus. Ausnahme: Geradeausfahren ist verboten oder die Einfahrt ist gesperrt. Dann musst du das selbst erkennen und richtig abbiegen. Der Prüfer warnt dich nicht vor, denn genau das prüft er.
Viele Fahrschüler sind in diesem Moment mit Vorfahrt, Fußgängern und Spiegeln beschäftigt. Das blaue Schild mit dem Pfeil oder das rote Einfahrt-verboten-Schild rutscht dann durch. Wer trotzdem geradeaus oder in die gesperrte Straße fährt, begeht einen klaren Verstoß.
Kieler Beispiele, an denen das immer wieder passiert:
- Willy-Jacob-Weg in Ellerbek: Geradeaus ist verboten. Achtung auch bei „Anlieger frei“, denn in der Prüfung bist du kein Anlieger.
- Kollwitz-Schule: Auch hier ist Geradeausfahren verboten, dazu kommt eine enge Schulstraße.
- Ecke Nissenstraße: Das Verbot steht so, dass man es leicht übersieht, wenn man nur auf parkende Autos achtet.
- Abknickende Vorfahrtstraße vor der Brücke: Hier kündigt ein Vorwegweiser das Verbot an. Du kommst aber mit hohem Tempo darauf zu.
Unser Rat: Lies an jeder Kreuzung zuerst die Schilder und erst dann den Verkehr. Frag dich bei jeder Annäherung: Darf ich hier überhaupt geradeaus? Wer das in den Fahrstunden zur Gewohnheit macht, hat es in der Prüfung automatisch drauf.
Weitere typische Fehler
Stoppschild ohne echtes Anhalten. Ein Rollstopp reicht nicht. Auch wenn vor dir Autos stehen, musst du selbst an der Haltlinie anhalten. Fehlt die Haltlinie, hältst du dort, wo du die Querstraße einsehen kannst. Beispiele: Wehdenweg in Schwentinental, Güterbahnhof an der B76 und Max Bahr.
Die Auflösung: Am Wehdenweg liegt die Haltlinie weiter vorne, als man denkt, und durch das Gefälle sieht man sie schlecht. Wer hinter wartenden Autos stehen bleibt und dann durchrollt, hat nicht angehalten.
Vorfahrt falsch gelesen. Fährst du an einer abknickenden Vorfahrt geradeaus, verlässt du die Vorfahrtstraße und musst warten, wie in Poppenrade. An Kreuzungen ohne Schilder gilt rechts vor links, zum Beispiel am Aalborgring.
Grünpfeil. Erst an der Haltlinie anhalten, Fuß- und Radverkehr durchlassen, dann abbiegen. Die Kieler Beispielstelle hat das Schild inzwischen nicht mehr. Grünpfeile gibt es aber an vielen anderen Ampeln.
Tempo. Zu schnell nach einem Tempo-30-Schild wie in Mettenhof oder zu zögerlich beim Einfädeln in Flintbek. Beides fällt dem Prüfer auf.
Schulterblick. Mach Spiegel- und Schulterblick mit einer deutlichen Kopfbewegung. So sieht der Prüfer, dass du wirklich geschaut hast.
Was musst du zur praktischen Prüfung mitbringen?
- Gültigen Personalausweis oder Reisepass (§ 17 Abs. 5 FeV, TÜV Nord)
- Zahlungsnachweis für die TÜV-Gebühr, zum Beispiel Kontoauszug oder Rechnung mit QR-Code. Barzahlung geht in der Regel nicht (TÜV Nord).
- Brille oder Kontaktlinsen, wenn du sie laut Sehtest brauchst
- Bequeme Schuhe und Kleidung (TÜV-Nord-Tipps)
Das Prüfungsauto und die Ausbildungsbescheinigung stellt die Fahrschule. Komm pünktlich und ausgeschlafen.
Was kostet die praktische Prüfung in Kiel?
Der TÜV Nord berechnet für die praktische Prüfung Klasse B 129,83 € inklusive Mehrwertsteuer. Eine Wiederholung kostet ebenfalls 129,83 €. Die Aufhebung einer Automatik-Beschränkung kostet 106,27 € (Gebührenliste TÜV Nord, Stand 31.01.2024).
Die TÜV-Gebühr zahlst du direkt an den TÜV Nord, Raten sind dort nicht möglich (TÜV Nord FAQ). Dazu kommt die Vorstellungsgebühr der Fahrschule. Den Überblick über alle Posten findest du unter Kosten für den Führerschein in Kiel.
Praktische Prüfung mit Automatik (B197)
Du kannst die Prüfung auf einem Automatikauto machen. Dann ist deine Fahrerlaubnis auf Automatik beschränkt (§ 17a FeV). Mit B197 darfst du trotzdem Schaltwagen fahren. Dafür brauchst du mindestens 10 Fahrstunden auf Schaltwagen und eine Testfahrt von mindestens 15 Minuten bei der Fahrschule (§ 5a FahrschAusbO).
Dauer und Ablauf der Prüfung bleiben gleich. Mehr dazu: B197 in Kiel und B197: Vorteile und Nachteile.
Durchgefallen: Wann darfst du wiederholen?
Eine Wiederholung ist in der Regel frühestens nach zwei Wochen möglich (§ 18 Abs. 1 FeV). Die Zahl der Versuche ist laut TÜV Nord nicht begrenzt, solange dein Prüfauftrag gültig ist. Bereits bestandene Prüfungsteile musst du nicht wiederholen (FeV Anlage 7, Nr. 2.5.1).
Jede Wiederholung kostet die Gebühr neu, meist kommen weitere Fahrstunden dazu (ADAC). Nimm das Feedback des Prüfers als Trainingsplan. Wenn du dagegen in der Theorie hängst, hilft dir Theorieprüfung durchgefallen.
Tipps gegen die Nervosität am Prüfungstag
- Komm ausgeruht und plane an dem Tag keine anderen Termine.
- Du darfst nachfragen, wenn du eine Ansage nicht verstanden hast (TÜV Nord).
- Nach einem Fehler weiterfahren und nicht im Kopf bewerten. Ein einzelner Fehler bedeutet noch kein Durchfallen.
- Auf Anfrage ist laut TÜV Nord auch ein Einzeltermin ohne andere Prüflinge möglich.
Wenn dich die Angst vor der Fahrprüfung stärker blockiert, lies Prüfungsangst vor der Fahrprüfung überwinden und stressfrei durch die Prüfung.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die praktische Fahrprüfung Klasse B?
Die Prüfung dauert 55 Minuten, davon sind mindestens 30 Minuten reine Fahrzeit (FeV Anlage 7). Grundfahraufgaben sowie Vor- und Nachbereitung zählen nicht zur Fahrzeit. Eine Reform mit kürzerer Prüfung ist geplant, gilt aber noch nicht.
Wie viele Fehler darf man in der praktischen Prüfung machen?
Es gibt keine Fehlerpunkte wie in der Theorie. Der Prüfer bewertet deine Fahrt als Ganzes. Ein einzelner leichter Fehler reicht in der Regel nicht zum Durchfallen. Gefährliche Fehler oder viele wiederholte Fehler führen aber zum Nichtbestehen.
Was muss ich zur Fahrprüfung mitnehmen?
Du brauchst einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und den Nachweis, dass du die TÜV-Gebühr bezahlt hast. Ohne Zahlungsnachweis findet die Prüfung laut TÜV Nord nicht statt. Wenn du laut Sehtest eine Brille brauchst, nimm sie mit.
Was kostet die praktische Prüfung in Kiel?
Der TÜV Nord berechnet für die praktische Prüfung Klasse B 129,83 Euro inklusive Mehrwertsteuer (Gebührenliste, Stand 31.01.2024). Eine Wiederholung kostet genauso viel. Dazu kommt die Vorstellungsgebühr deiner Fahrschule.
Wann kann ich die Fahrprüfung wiederholen?
In der Regel frühestens nach zwei Wochen (§ 18 FeV). Die Zahl der Versuche ist laut TÜV Nord nicht begrenzt, solange dein Prüfauftrag gültig ist. Jede Wiederholung kostet die Gebühr neu, meist kommen noch ein paar Fahrstunden dazu.
Kann ich die Fahrprüfung mit Automatik machen?
Ja. Ohne weitere Ausbildung darfst du danach nur Automatik fahren. Mit B197 machst du die Prüfung auf Automatik und darfst trotzdem Schaltwagen fahren. Dafür brauchst du zusätzlich Schaltstunden und eine kurze Testfahrt bei der Fahrschule.
Zum Schluss: drei Merksätze
- Beim parallelen Abbiegen entscheidet die Markierung, und du bleibst in deiner Spur.
- Verbote erkennst du selbst. Sagt der Prüfer nichts, prüfst du: Darf ich hier geradeaus?
- Am Stoppschild hältst du selbst an der Haltlinie, egal wie viele Autos vor dir standen.
Du willst die Prüfung mit uns vorbereiten? Alles zur Ausbildung findest du unter Führerschein Klasse B in Kiel.
Quellen (abgerufen am 25.10.2026)
- Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 7, § 17, § 17a, § 18
- Fahrschüler-Ausbildungsordnung, § 5a
- Straßenverkehrs-Ordnung, § 9
- TÜV Nord: FAQ Führerscheinprüfung, Praktische Prüfung, Tipps, Gebührenliste (Stand 31.01.2024)
- Kraftfahrt-Bundesamt, Statistik FE 7 „Fahrerlaubnisprüfungen“, Berichtsjahr 2025
- ADAC: Interview mit dem TÜV-Verband (11.03.2022), Führerscheinprüfung
- kfz-auskunft.de zur optimierten praktischen Prüfung
- BMV: Pressemitteilung 043/2026, Referentenentwurf (Stand 04.05.2026)